Im Rahmen des Erasmus+ Programms hatten drei Lehrende der Johann-Peter-Hebel Schule Singen die besondere Gelegenheit, an einer Bildungsreise nach Tallinn (Estland) teilzunehmen. Das kleine baltische Land im Nordosten Europas liegt an der Ostsee und grenzt an Lettland sowie Russland. Mit rund 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zählt Estland zu den kleineren Staaten Europas. Bekannt ist das Land für seine weit fortgeschrittene Digitalisierung, seine vielen Wälder und Moore sowie für sehr gute Ergebnisse bei internationalen Bildungsstudien wie OECD-PISA – seit Jahren auf den vorderen Plätzen (Deutschland im Mittelwert).
Im Mittelpunkt unserer Reise stand daher das estnische Schulsystem. An drei Tagen besuchten wir u.a. verschiedene Schulen, nahmen teilweise am Unterricht teil und kamen mit Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Besonders auffällig waren die ruhige Lernatmosphäre und die klare Struktur vieler Unterrichtsstunden. Häufig wird stärker frontal unterrichtet als bei uns in Deutschland. Die Lehrkraft erklärt, führt durch die Stunde und gibt klare Arbeitsaufträge. Gleichzeitig bedeutet dies keineswegs passives Lernen: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten konzentriert mit, übernehmen viel Verantwortung und zeigen ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Das Prinzip „Weniger ist mehr“ war in vielen Klassen spürbar.
Beeindruckt hat uns außerdem die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und unterstützenden Fachkräften. Sprachförderung, psychologische Begleitung und individuelle Unterstützung sind vielerorts selbstverständlich. Auch Projekte, Sporttage und gemeinschaftsstärkende Aktionen haben einen hohen Stellenwert.
Spürbar war zudem, dass Estland als noch junger unabhängiger Staat seine Geschichte sehr bewusst wahrnimmt. Erst 1991 gewann das Land nach der sowjetischen Besatzungszeit seine Unabhängigkeit zurück. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich Sicherheitsfragen und das Verhältnis zu Russland weiter verschärft. Dies zeigt sich auch im Bildungsbereich, etwa durch eine stärkere Förderung der estnischen Sprache und gemeinsame demokratische Werte in Schulen.
Neben den schulischen Eindrücken faszinierte uns auch die Hauptstadt Tallinn mit ihrer historischen Altstadt und den sichtbaren Spuren nord- und mitteleuropäischer Geschichte sowie vieler Deutscher Wurzeln, wie bspw. die deutsche Domschule in Tallinn. Die Erasmus+ Reise war für uns insgesamt äußerst bereichernd. Mit vielen neuen Ideen, Denkanstößen und wertvollen Erfahrungen kehren wir an unsere Schule zurück.





